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EUCX / Insights / Lexikon / Force Majeure (Hoehere Gewalt)

Recht · Lexikon-Eintrag

Force Majeure (Hoehere Gewalt)

Vertragsklausel, die eine Partei von Leistungspflichten befreit, wenn aussergewoehnliche, unvorhersehbare Ereignisse die Erfullung unmoeglich machen.

Lesezeit

7 min

Aktualisiert

25. März 2026

Rechtliche Grundlagen

Force Majeure (franzoesisch: hoehere Gewalt) bezeichnet Ereignisse, die ausserhalb der Kontrolle beider Vertragsparteien liegen, unvorhersehbar sind und die Vertragserfullung unmoeglich oder unzumutbar machen. Im deutschen Recht: Paragraph 275 BGB (Unmoglichkeit), Paragraph 313 BGB (Wegfall der Geschaftsgrundlage). Im internationalen Rohstoffhandel: ICC Force Majeure Clause 2020 als Branchenstandard. Abgrenzung: Force Majeure entbindet von Leistungspflichten (und damit von Schadensersatz); Haerte-/Hardship-Klauseln sind dagegen Anpassungsmechanismen bei veraenderten Umstaenden ohne vollstaendige Unmoeglichkeit.

Tatbestandsmerkmale

Drei kumulativ erforderliche Kriterien: (1) Aussergewoehnlichkeit: Das Ereignis darf kein normales Geschaeftsrisiko sein (z.B. Preisanstieg allein reicht nicht). (2) Unvorhersehbarkeit: Zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht vorhersehbar. (3) Unvermeidbarkeit: Partei konnte Ereignis und seine Folgen nicht abwenden. Klassische FM-Ereignisse: Naturkatastrophen (Erdbeben, Uberschwemmungen), Kriege, Embargos, staatliche Verbote, Pandemien (COVID-19 war FM-Fall). Kein FM: Preisschwankungen, Insolvenz, Engpasse durch allgemeinen Marktmangel (ausser bei ploelichem Exportverbot).

Relevanz im Rohstoffhandel

Besonders relevant bei: Hafen- und Verkehrssperrungen (Suez-Kanal 2021, COVID-Hafen-Schliessungen), Exportbeschraenkungen und Sanktionen (Russland-Embargos 2022 mit unmittelbarer FM-Wirkung), Energiekrisen (Produktionsstopps bei Aluminium durch Stromkrise), Naturkatastrophen (Minen-Uberschwemmungen, Erdbeben in Produktionslaendern). Praxis: Sofortige schriftliche FM-Notifikation an Gegenpartei (Frist: i.d.R. 3-5 Werktage nach Eintreten). Beweis durch offizielle Dokumente (Behoerdenbestaetigung, Zertifikat der Handelskammer). Rechtsfolge: Aussetzung der Leistungspflichten fuer Dauer des FM-Ereignisses; bei Dauerhindernis (>60/90 Tage): Kuendigungsrecht.

Force Majeure in EUCX-Kontrakten

EUCX-Mustervertrag integriert ICC Force Majeure Clause 2020. Meldepflicht: Betroffene Partei muss FM-Ereignis unverzueglich, spaetestens binnen 5 Werktagen, schriftlich anzeigen. Dokumentation: Amtliche Bescheinigung, Notariatsbescheinigung oder Handelskammer-Zertifikat als Nachweis. Abwicklung: EUCX-Abwicklungsgarantie deckt FM-Szenarien nicht ab (setzt ordnungsgemaesse Lieferbereitschaft voraus). Alternative Absicherung: Handels-/Kreditversicherungen (z.B. Euler Hermes) und Warenkreditversicherungen koennen FM-Schaden abdecken.

Haeufige Fragen

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Fachlich geprüft

EUCX Fachredaktion · Recht

Dieser Eintrag wurde durch das EUCX-Redaktionsteam fachlich geprüft. Spezialisierung: EU-Rohstoffrecht, institutioneller Warenbörsenhandel, MiFID II und OTF-Regulierung. Aktualisiert: 25. März 2026.