21. März 2026 — EUCX Research Team
Der Betonstahl-Markt zeigt sich nach dem scharfen Rückgang im Februar deutlich stabilisiert (+3,2 % WoW auf 698 €/t DAP Frankfurt). Als Haupttreiber sind die gestiegene Bauaktivität in Deutschland und Polen sowie rückläufige Schrottpreise in der Türkei zu nennen — dem größten EAF-Stahlproduzenten Europas. Türkische Werke haben ihre Schrottbeschaffungskosten signifikant reduziert, was kurzfristig zu wettbewerbsfähigeren Exportpreisen führt, jedoch gleichzeitig die Preisdurchsetzungskraft bei Endabnehmern begrenzt.
Die Notierungen für Walzdraht bleiben hingegen unter Druck: Überkapazitäten aus osteuropäischen Werken — insbesondere aus Rumänien und der Ukraine — drücken die Spotpreise auf 672 €/t DAP Duisburg (-0,6 % WoW). Im Agrarsektor sorgt ein angespanntes Wettergeschehen in der Schwarzmeerregion für spürbaren Preisdruck bei MATIF-Weizen (+1,8 % WoW auf 218 €/t). Analysten beobachten die ukrainischen Winterweizenbestände genau; erste Satellitendaten deuten auf punktuelle Frostschäden hin.
Kupfer notiert auf einem 3-Monats-Hoch von 9.847 $/t, getrieben durch anhaltende Nachfrage aus dem Elektrifizierungssektor und geringere Lagerbestände an der LME (aktuelle LME-Stocks: 87.450 t, -12 % vs. Vorwoche). Energie: Erdgas (TTF) verliert 4,1 % WoW auf 34,20 €/MWh nach einem milden Wetterverlauf in Nordeuropa und überdurchschnittlich hohen Speicherständen in Deutschland (aktuell 62 % Füllstand).
„Ausblick: Wir erwarten für KW 13 eine Seitwärtsbewegung bei Baustahl. CBAM-Effekte werden ab Q3 2026 die Importpreise spürbar anheben — langfristig bullisch für EU-Produzenten."
— EUCX Research Team, 21. März 2026
Alle Preisangaben sind Richtwerte auf Basis von EUCX-Plattformdaten und öffentlich verfügbaren Börsenpreisen. Δ WoW = Veränderung gegenüber Vorwoche, Δ MoM = gegenüber Vormonat.
| Rohstoff | Spezifikation | Preis KW 12 | Δ WoW | Δ MoM | Trend |
|---|---|---|---|---|---|
| Betonstahl | B500B, 12 mm, DAP Frankfurt | 698 €/t | +3,2 % | -1,4 % | ↑ |
| Walzdraht | SAE 1008, 5,5 mm, DAP Duisburg | 672 €/t | -0,6 % | -3,1 % | → |
| Warmband | S235JR, 3 mm, EXW Ruhrgebiet | 734 €/t | +1,1 % | +0,4 % | ↑ |
| Schrott | HMS 1/2, EXW Hafen Hamburg | 385 €/t | -2,3 % | -5,7 % | ↓ |
| Stranggussbramme | Q235B, 200 mm, CIF ARA | 542 €/t | +0,8 % | +2,1 % | ↑ |
| Rohstoff | Basis | Preis KW 12 | Δ WoW | Δ MoM | Trend |
|---|---|---|---|---|---|
| Kupfer | LME Cash, $/t | 9.847 $/t | +2,7 % | +5,2 % | ↑ |
| Aluminium | LME Cash, $/t | 2.419 $/t | +0,4 % | -2,1 % | → |
| Zink | LME Cash, $/t | 2.756 $/t | -1,2 % | -0,9 % | → |
| Nickel | LME Cash, $/t | 15.340 $/t | -3,1 % | -8,4 % | ↓ |
| Rohstoff | Basis | Preis KW 12 | Δ WoW | Δ MoM |
|---|---|---|---|---|
| Weizen | MATIF, €/t | 218 €/t | +1,8 % | +3,4 % |
| Raps | MATIF, €/t | 492 €/t | -0,3 % | +1,1 % |
| Harnstoff | CIF Hamburg, $/t | 485 $/t | +0,9 % | -1,7 % |
| Ammoniumnitrat | CIF ARA, €/t | 368 €/t | +1,4 % | +2,6 % |
| Rohstoff | Basis | Preis KW 12 | Δ WoW |
|---|---|---|---|
| Erdgas TTF | €/MWh | 34,20 €/MWh | -4,1 % |
| Strom EEX Base | €/MWh | 89,50 €/MWh | +2,3 % |
| EU-ETS (EUA) | €/tCO₂ | 65,40 €/tCO₂ | -0,8 % |
| Brent Crude | $/bbl | 74,30 $/bbl | +1,2 % |
Nach einem turbulenten Februar — geprägt von sinkenden Spotpreisen infolge schwacher Baunachfrage und hoher Lagerbestände bei deutschen Händlern — zeichnet sich zum Ende von KW 12 eine deutliche Stabilisierung ab. Der Preis für Betonstahl (B500B, 12 mm, DAP Frankfurt) notiert bei 698 €/t — ein Zuwachs von 3,2 % gegenüber der Vorwoche. Damit liegt das Material wieder nahe am Jahresauftaktsniveau von Anfang Januar (706 €/t).
Angebotsseite — Türkei dominiert das EAF-Segment: Die Türkei ist mit einer Jahresproduktion von über 40 Mio. Tonnen der wichtigste EAF-Stahlproduzent Europas. In den vergangenen Wochen sind die lokalen Schrottpreise in türkischen Häfen um rund 15 $/t gefallen — ein Effekt des geringeren Angebots aus den USA (Exportdrosselung wegen Binnenpreisen) und steigender europäischer Schrottsammlung. Diese Kostenentlastung auf der Inputseite erlaubt türkischen Exporteuren, ihre Angebote leicht zu senken, ohne Margen zu gefährden. Der resultierende Wettbewerbsdruck auf EU-Hersteller ist real, wird aber durch steigende CBAM-Kosten mittelfristig abgefedert.
Nachfrageseite — Deutschland, Polen, Frankreich: Im deutschen Bausektor signalisieren aktuelle Auftragseingänge eine vorsichtige Erholung nach dem langen Frosteinbruch im Januar/Februar. Der Rückstau an verschobenen Projekten — insbesondere im sozialen Wohnungsbau und im Infrastrukturbereich — stützt die Nachfrage für Q2 2026. In Polen setzt die fortgesetzte EU-Kohäsionsfondförderung neue Impulse: Mehrere Großprojekte in der Transportinfrastruktur (Autobahnen A1 Erweiterung, S7 Lückenschluss) benötigen signifikante Betonstahl-Volumina. Frankreich bleibt verhalten; die angespannte Haushaltslage bremst staatliche Bauprojekte.
CBAM-Erwartungseffekte: Die vollständige CBAM-Implementierungsphase beginnt Anfang Q3 2026. Importeure von Betonstahl aus Drittstaaten müssen dann CBAM-Zertifikate vorweisen, deren Preis an den EU-ETS-Kurs (aktuell 65,40 €/tCO₂) gekoppelt ist. Bei einem CO₂-Intensitätswert von rund 1,6 tCO₂/t für türkischen EAF-Stahl ergibt sich ein theoretischer CBAM-Aufschlag von ca. 100–105 €/t — ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für EU-integrierte Hochofenproduzenten. Die Markterwartung dieser Verschiebung ist bereits partiell in den Futures eingepreist.
Energiekosten bleiben entscheidender Faktor: EAF-Stahlwerke benötigen je nach Effizienz 380–480 kWh Strom pro Tonne Rohstahl. Bei einem EEX-Base-Preis von 89,50 €/MWh entspricht das Energiekosten von 34–43 €/t allein für Strom — ein wesentlicher Kostentreiber, der die Produktionsmengenentscheidungen prägt. Werke mit langfristigen PPA-Verträgen (Power Purchase Agreements) sind hier klar im Vorteil.
| Lieferort | Preis €/t | Δ vs. Frankfurt |
|---|---|---|
| Frankfurt (DE) | 698 €/t | — |
| Paris (FR) | 704 €/t | +0,9 % |
| Warschau (PL) | 682 €/t | -2,3 % |
| Madrid (ES) | 718 €/t | +2,9 % |
Kupfer notiert in KW 12 auf dem höchsten Stand seit drei Monaten: 9.847 $/t an der LME (Cash Settlement). Der Anstieg von 2,7 % gegenüber der Vorwoche setzt eine Erholung fort, die Anfang März nach den Tiefständen infolge chinesischer Konjunktursorgen einsetzte. Entscheidend ist dabei das strukturelle Ungleichgewicht zwischen einer Nachfrage, die durch die Energiewende langfristig wächst, und einem Angebot, das durch geopolitische und geologische Restriktionen begrenzt bleibt.
LME-Lagerbestände auf Mehrmonatstief: Die offiziellen LME-Lagerbestände lagen per 21. März bei 87.450 Tonnen — ein Rückgang von 12 % gegenüber der Vorwoche und der niedrigste Stand seit Oktober 2025. Sinkende Warehousebestände signalisieren, dass physisches Metall zunehmend für industrielle Verarbeitung abgezogen wird, statt spekulativ eingelagert zu bleiben. Der Spread zwischen Cash und 3-Monats-Future (Backwardation) beträgt aktuell ca. 48 $/t — ein Zeichen physischer Marktanspannung.
Nachfrageseite — Elektrifizierung als struktureller Treiber: Ein modernes Elektrofahrzeug (BEV) benötigt im Durchschnitt 83 kg Kupfer — gegenüber nur 23 kg bei einem konventionellen Verbrenner. Mit europaweit über 2,8 Mio. verkauften BEV in 2025 und weiter steigender Tendenz wächst der automobile Kupferbedarf erheblich. Hinzu kommt der Stromnetzausbau: Der europäische Netzentwicklungsplan 2026–2035 sieht Investitionen von über 380 Mrd. EUR vor — ein wesentlicher Teil davon in kupferintensive Kabelsysteme und Transformatoren. Windkraftanlagen (Offshore wie Onshore) benötigen je MW installierter Leistung rund 3,6 t Kupfer.
Angebotsseite — Produktionsausfälle in Chile und Peru: Chile ist mit einem Weltmarktanteil von ca. 27 % der mit Abstand größte Kupferproduzent. Codelco — der staatliche chilenische Konzern — meldete in Q1 2026 einen produktionsbedingten Ausfall von rund 18.000 t aufgrund von Wartungsarbeiten an der Chuquicamata-Mine sowie anhaltender Wasserknappheit im Hochland. In Peru führten soziale Unruhen rund um das Cerro-Verde-Projekt (Freeport-McMoRan) zu vorübergehenden Betriebsunterbrechungen. Kombiniert ergibt sich ein angebotseitiger Druck, der die Preisstärke fundamental untermauert.
Ausblick: Der Konsens unter EUCX-Analysten liegt für KW 13 bei einer Konsolidierung im Bereich 9.750–9.950 $/t. Ein Unterschreiten der 9.600 $/t-Marke gilt als unwahrscheinlich, solange die LME-Lagerbestände auf diesem Niveau bleiben. Mittelfristig (Q3/Q4 2026) werden Analysten im Schnitt einen Kurs von 10.200–10.500 $/t erwarten.
Der MATIF-Weizenkontrakt (Front-Month, Lieferung Mai 2026) schloss KW 12 bei 218 €/t — ein Wochenplus von 1,8 %. Auslöser ist eine Lage, die Getreidehändler seit Jahren kennen und fürchten: unberechenbare Witterungsverhältnisse in der Schwarzmeerregion zu einem kritischen Zeitpunkt im Vegetationszyklus. Die Ukraine, drittgrößter Weizen-Exporteur der Welt nach Russland und der EU, verzeichnete in der zweiten Märzdekade ungewöhnlich starke Kälterückfälle (-8 bis -12 °C nachts) nach einer frühen Warmphase im Februar, die bereits das Bestockungswachstum angeregt hatte. Erste Satellitenbilder zeigen unregelmäßige Verfärbungen in der Vegetationsbedeckung in der Zentralukraine.
MATIF-Futures-Positionierung: Das CFTC-Äquivalent der EU (ESMA-Daten) zeigt, dass spekulativer Netto-Long bei MATIF-Weizen auf den höchsten Stand seit Oktober 2025 gestiegen ist. Managed Money baute in KW 11 und KW 12 kombiniert rund 12.400 Kontrakte Long auf. Dies deutet auf eine zunehmend bullische Markterwartung hin, die über das aktuelle Wetterrisiko hinausgeht und fundamentale Angebotssorgen für die Ernte 2026 widerspiegelt.
Harnstoff — Frühjahrsbestellungseffekt: Harnstoff (CIF Hamburg) stieg auf 485 $/t (+0,9 % WoW). Die Frühjahrsbestellsaison setzt typischerweise ab Mitte März ein: Landwirte in Deutschland, Frankreich und Polen decken ihren Stickstoffdüngerbedarf für die anstehende Vegetationsperiode ein. Dieser saisonale Nachfrageimpuls trifft auf ein Angebot, das durch anhaltend hohe Erdgaspreise in Europa (Produktionskosten für Stickstoffdünger direkt an Gaspreise geknüpft) und gedrosselte russische Exportmengen beschränkt bleibt. Russland, historisch größter Harnstoffexporteur Europas, hat seine Exportquoten für Q1 2026 erneut verlängert.
Ammoniumnitrat folgt dem Trend mit +1,4 % WoW auf 368 €/t (CIF ARA). Das Produkt ist in der EU durch strenge Sicherheitsvorschriften (UN 2067, REACH) reguliert, was die Importmöglichkeiten aus Russland und Belarus faktisch einschränkt und die Preissensitivität gegenüber europäischen Produktionskosten erhöht.
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| Ausgabe | Datum | Headline | Zugang |
|---|---|---|---|
| KW 11 / 2026 | 14. März 2026 | Schrottpreise brechen ein — Betonstahl unter Druck | Registrierte Mitglieder |
| KW 10 / 2026 | 7. März 2026 | Kupfer auf 3-Monats-Hoch: Elektrifizierungseffekt oder Spekulation? | Registrierte Mitglieder |
| KW 9 / 2026 | 28. Feb. 2026 | CBAM-Übergangsphase: Importstahl aus der Türkei vor dem Preisanstieg | Registrierte Mitglieder |
| KW 8 / 2026 | 21. Feb. 2026 | Erdgas (TTF) fällt auf 6-Monats-Tief — Energieintensive Industrie atmet auf | Registrierte Mitglieder |
| KW 7 / 2026 | 14. Feb. 2026 | Weizen: Schwarzmeer-Export bricht Preisrekord | Registrierte Mitglieder |
| KW 6 / 2026 | 7. Feb. 2026 | Nickel-Korrektur: -11 % seit Jahresbeginn — LME-Lageraufbau dominiert | Registrierte Mitglieder |
| KW 5 / 2026 | 31. Jan. 2026 | Stahlmarkt Q1 2026: Saisonaler Aufschwung oder strukturelle Wende? | Registrierte Mitglieder |
| KW 4 / 2026 | 24. Jan. 2026 | Düngemittel: Harnstoff-Preise steigen vor Frühjahrsbestellung | Registrierte Mitglieder |
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