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Incoterms im Rohstoffhandel: EXW, FCA, DAP, CIF und mehr

EUCX GmbH|12. März 2026|8 Min. Lesezeit

Die wichtigsten Incoterms 2020 im Ueberblick: Wer traegt welche Kosten und Risiken? Praxisbeispiele fuer den Stahl- und Rohstoffhandel mit EU-Lieferanten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Incoterms?
  2. Die wichtigsten Klauseln im Stahlhandel
  3. Praxisbeispiel: Rebar-Import aus der Tuerkei nach Deutschland

Was sind Incoterms?

Incoterms (International Commercial Terms) sind von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegebene Standardklauseln, die den Uebergang von Kosten und Risiken zwischen Kaeufer und Verkaeufer in internationalen Kaufvertraegen regeln. Die aktuelle Version ist Incoterms 2020.

Sie regeln: (1) Ab welchem Punkt traegtder Kaeufer das Risiko des zufaelligen Untergangs der Ware. (2) Welche Partei fuer Fracht, Versicherung, Verpackung, Be- und Entladung und Zollformalitaeten aufkommt. Sie regeln nicht: Eigentumsuebergang, Zahlungsbedingungen, Vertragsstrafe oder Gewaehrleistung.

Die Incoterms 2020 umfassen 11 Klauseln, aufgeteilt in zwei Gruppen: Multimodale Klauseln (fuer alle Transportarten) und Seeklauseln (nur Seetransport).

Die wichtigsten Klauseln im Stahlhandel

EXW - Ex Works (ab Werk)

Der Verkaeufer stellt die Ware an seinem Lager/Werk bereit. Alle weiteren Kosten und Risiken traegt der Kaeufer: Verladung auf LKW, Inlandtransport, Export-/Importzoll, Seefracht, Einklarierung, Lieferung zum Endbestimmungsort.

Vorteil fuer Kaeufer: maximale Kostenkontrolle und Flexibilitat bei der Logistikwahl. Nachteil: Kaeufer benoetigt eigene Spediteursbeziehungen und Exportlizenz. Im EU-Binnenmarkt weit verbreitet, da kein Zoll anfaellt.

FCA - Free Carrier (frei Frachtfuehrer)

Der Verkaeufer liefert die Ware dem vom Kaeufer benannten Frachtfuehrer an einem vereinbarten Uebergabeort. Risikoubergang beim Uebergabe. Der Kaeufer uebernimmt ab diesem Punkt alle Frachtkosten.

FCA ist die praxistauglichste Klausel fuer den Containerhandel und Strassentransport. Sie loeste in vielen Faellen das problematische FOB (Free on Board) fuer Stahltransporte ab, da FOB den Risikouebergang an die Schiffsreling knuepft - ein operativ schwer definierbarer Zeitpunkt bei modernem Containerumschlag.

DAP - Delivered at Place (geliefert benannter Ort)

Der Verkaeufer traegt alle Kosten und Risiken bis zur Anlieferung am vereinbarten Bestimmungsort (z.B. Baustelle, Lager des Kaeufers). Der Kaeufer uebernimmt Entladekosten und ggf. Einfuhrabgaben.

DAP ist fuer den innereuropaeischen Stahlhandel bei Lieferung frei Baustelle oder frei Lager des Kaeufers sehr gebrauchlich. Der Verkaeufer organisiert und bezahlt den Transport vollstaendig.

DDP - Delivered Duty Paid (geliefert verzollt)

Maximale Verpflichtung des Verkaeufers: Lieferung frei Haus inklusive Einfuhrzoll und -steuer. Kaeufer hat keine logistischen Pflichten. Im EU-Binnenmarkt aufgrund fehlender Zollgrenzen oft identisch mit DAP. Bei Importen aus Drittlaendern (UK, Tuerkei) klar von DAP zu unterscheiden: DDP schliess Verkaeuferrisiko fuer Zollabwicklung ein.

CIF - Cost, Insurance and Freight (Kosten, Versicherung, Fracht)

Reine Seeklausel. Der Verkaeufer bezahlt Fracht und Versicherung bis zum Bestimmungshafen. Risikouebergang liegt jedoch bereits bei Verladen im Abgangshafen. Dadurch eine logische Inkonsistenz: Der Verkaeufer bezahlt die Versicherung fuer eine Strecke, auf der der Kaeufer bereits das Risiko traegt.

Fuer grosse Stahl-Importe per Seefracht (z.B. aus der Tuerkei, Ukraine, Indien) gebraeuchlich. Kaeufer sollten beachten, dass CIF-Versicherungsdeckung oft minimal ist (110% des Warenwertes, Institute Cargo Clauses C - nur Totalverlust) und eigene Versicherung erwaegen.

Praxisbeispiel: Rebar-Import aus der Tuerkei nach Deutschland

Angenommen, ein deutsches Bauunternehmen kauft 500 Tonnen Rebar von einem tuerkischen Hersteller:

Unter CIF Hamburg: Tuerkischer Verkaeufer organisiert Verladung in Izmir, Seefracht nach Hamburg und Grundversicherung. Deutsche Importpartei zahlt Entladung in Hamburg, 25% EU-Antidumping-Zoll auf tuerkischen Rebar (wenn anwendbar), Inlandtransport zur Baustelle.

Unter DDP Baustelle Berlin: Tuerkischer Verkaeufer traegt alle Kosten und Risiken bis zur Entladestelle in Berlin. Preisaufschlag reflektiert Logistikkosten, Zollabwicklung und Risikopraemie. Einfacher fuer den Kaeufer, weniger Kontrolle ueber Transportkette.

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