Die Stahlindustrie ist fuer 7% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Dieser Artikel erklaert Technologiepfade, Marktentwicklung und Auswirkungen auf den Rohstoffhandel.
Inhaltsverzeichnis
Warum gruener Stahl entscheidend ist
Die EU-Stahlindustrie muss bis 2050 klimaneutral sein - so sieht es der European Green Deal vor. Das erfordert eine fundamentale Transformation der Produktionsprozesse. Hochoefen emittieren durchschnittlich 1,85 Tonnen CO2 pro Tonne Rohstahl; Elektrolichtbogenoefen auf Schrottbasis nur 0,4-0,6 t CO2/t. Wasserstoffbasierte Direktreduktion (H2-DRI + EAF) kann auf unter 0,05 t CO2/t sinken.
Technologiepfade zur Klimaneutralitaet
H2-DRI: Direktreduktion von Eisenerz mit gruenem Wasserstoff statt Kokskohle erzeugt Eisenschwamm (DRI/HBI), der anschliessend im EAF zu Stahl verarbeitet wird. Pilotanlagen: thyssenkrupp tkH2Steel, H2GS (SSAB), ArcelorMittal Sponge Iron. Schrottbasierter EAF-Stahl: Mit 100% Strom aus erneuerbaren Energien nahezu klimaneutral. Skalierbar mit vorhandenem Schrottaufkommen. Limitierung: Schrottqualitaet reicht fuer viele Flachstahlgueten noch nicht aus.
CCS/CCU: Carbon Capture an Hochofengasen als Brueckentechnologie bis 2035. Technisch moeglich, aber energieintensiv und regulatorisch noch nicht vollstaendig geklart.
Preispremia fuer gruenen Stahl
Gruener Stahl kostet derzeit 150-300 EUR/t mehr als konventioneller Stahl. Automobilhersteller (Volvo, BMW, Mercedes-Benz) haben bereits langfristige Abnahmevertraege fuer gruenen Stahl unterzeichnet und kommunizieren die Mehrkosten als Marketingvorteil. Mit steigenden CO2-Zertifikatspreisen und fallendem Gruenstrrompreis wird die Preisuecke bis 2030 auf unter 80 EUR/t sinken, prognostizieren BloombergNEF und Wood Mackenzie.
EU-Regulierung und CBAM als Treiber
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) macht Stahl mit hohem CO2-Fussabdruck aus Drittlaendern ab 2026 teurer. Gleichzeitig steigen EU-ETS-Zertifikatspreise auf prognostizierte 100-150 EUR/t CO2 bis 2030. Beide Mechanismen verteuern konventionellen Stahl relativ zum gruenen Stahl und beschleunigen die Transformation. Handelsteilnehmer, die Stahl mit EPD (Environmental Product Declaration) und CO2-Zertifikat liefern koennen, erzielen bereits heute Preispremia.
Praktische Schritte fuer Einkaufsabteilungen
CO2-Fussabdruck in Beschaffungsanfragen (RFQ) als Pflichtangabe aufnehmen. EPD (ISO 14025/EN 15804) als Lieferbedingung definieren. Stufenweise Erhoehung des gruenen Stahlanteils im Einkaufsmix (z.B. 20% bis 2027, 50% bis 2030). Preeimbereitschaft interner Stakeholder fruehzeitig klaeren. Foerderantrag bei BAFA (Dekarbonisierungsprogramme) und EU-Innovationsfonds pruefen.
Gruener Stahl auf der EUCX
Die EUCX plant fuer 2026 die Einfuehrung eines separaten Handelssegments fuer zertifizierten gruenen Stahl mit EPD-Nachweis und verifizierten CO2-Emissionen unter 500 kg/t. Kaeufer erhalten damit Planungssicherheit fuer ihre eigenen ESG-Reportingpflichten (CSRD, ESRS E1). Das Segment wird mit dem europaeischen Gruenstahl-Register verknuepft und ist CBAM-konform dokumentiert.
Zukunftssichere Beschaffung auf der EUCX
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